Galmbach, das Geisterdorf im Odenwald
GEISTERDORF | Galmbach
Räubernest und Geisterdorf
Um den verlassenen Weiler Galmbach im Odenwald ranken sich viele Geschichten
Ein Diebesnest soll Galmbach einst gewesen sein. Es heißt, Räuber aus der Hölzerlips-Bande hätten dort Unterschlupf gesucht, in Scheunen des Dorfes überwintert. Ob der Hölzerlips tatsächlich dort war, weiß längst niemand mehr. Heute ist Galmbach ein Geisterdorf, von der Landkarte verschwunden – fast. Nur wenige der Gebäude sind noch erhalten. Und trotzdem – oder gerade deshalb – ist das ehemalige Dorf bei Kailbach im hinteren Odenwald einen Besuch wert. Die Geschichte von Galmbach ist lang und bewegt: Als Gollenbach, benannt nach feuchten Stellen im Talgrund (Gollen), wird das Dorf schon in Dokumenten von 1443 erwähnt. Gut 380 Jahre später heißt der Ort Galmbach und zählt 19 Häuser und 149 Einwohner. Doch damals meinte es das Schicksal nicht gut mit dem Dorf: Lange Zeit hatte es im Odenwald immer wieder Missernten und damit Hungersnöte gegeben.
Die Armut war groß. Und wenn es auch keine Räuber gewesen sein mögen, die sich den Winter über in Galmbacher Scheunen einquartierten, taten es doch in Galmbach geborene, wohnsitzlose Kleinsthändler, die den Sommer über durch die Lande zogen. Dann wollte Fürst Karl von Leiningen, Eigentümer der Ländereien rund um Galmbach, seinen Wildpark erweitern. Darum beschloss er, das Dorf aufzulösen. Er kaufte den Bauern Haus und Grund ab, ließ bis 1835 viele der Fachwerkhäuser räumen und versteigerte sie. Die meisten Häuser wurden damals abgerissen, einige an anderen Orten wieder aufgebaut. Ein Jahr später löste der Fürst das Dorf offiziell auf, richtete dort ein Fürstliches Gut ein und benannte es nach einem seiner Söhne Eduardsthal.
Ein altes Wohnhaus, ein Lagerkeller, eine Scheune und ein Gebäude, das wohl einmal ein Stall war – das ist alles, was von Galmbach heute noch übrig ist. So scheint es zumindest, wenn sich nach einer Wanderung vom Örtchen Kailbach aus durch dichten Wald der Blick auf die drei Hauptgebäude öffnet, die von einem Pächter ein wenig in Schuss gehalten werden. Doch es gibt weitaus mehr zu entdecken: Da sind zum einen die Details an den übrig gebliebenen Gebäuden – ein eiserner, blumenförmiger Beschlag hier, ein schiefer Klappladen aus verwittertem Holz dort. Dazu der kleine Brunnen mit dem Trog aus Odenwälder Buntsandstein oder ein im Wohnhaus verbauter Grundstein, dessen Inschrift verrät, dass das Haus noch kurz vor der Auflösung des Ortes gebaut oder grundlegend renoviert worden war.
Wer genau hinschaut, wird im Talgrund noch Reste von Grundmauern finden oder Riegel aus so genannten Lesesteinen. Und wandert man von Galmbach aus ein Stück den alten Kirchenweg der Galmbacher nach Mudau entlang, kommt man am Richtershaus vorbei: Nur noch eine Ruine ist übrig von dem seit 1880 verfallenen Haus, das vermutlich nach seinem letzten Bewohner, einem Lattenschneider namens Richter, benannt ist. Nicht weit davon gibt es noch einen Brunnen mit einer mehr als 15 Meter langen Steinrinne und einem Schöpftrog.
Wer bei der Wanderung an einem Bildstock vorbeikommt, sollte diesen nur betrachten: Es geht die Sage, dass beim Entfernen eines bestimmten Bildstocks eine Schlangenplage kommen wird. Die soll erst wieder aufhören, wenn der Bildstock wieder an Ort und Stelle aufgestellt wird. Welcher Bildstock der verwunschene ist? Auch das vermag niemand mehr zu sagen.
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